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2025-05-18 20:12:02 UTC

Janus on Nostr: Eine Freundin hat versucht, den Kontext der viel kritisierten Entscheidung Der Linken ...

Eine Freundin hat versucht, den Kontext der viel kritisierten Entscheidung Der Linken zu verstehen, den Antisemitismusbegriff neu zu definieren. Und dafür musste sie verstehen: was ist überhaupt dieser angeblich so böse Zionismus? Also hat sie Wikipedia aufgemacht und dort diese Definition gefunden:

"Der Zionismus ist sowohl eine Nationalbewegung als auch eine ethnonationalistische Ideologie, welche die Errichtung eines jüdischen Nationalstaats in Palästina anstrebte"

Während das nicht wirklich falsch ist, ist es maximal verwirrend für Leute, die den Kontext nicht kennen. Denn die übliche linke Gedankenkette ist: Palästina = Land der Palästinenser, also will Zionismus Palästinensern ihr Land wegnehmen, also Kolonialideologie.

Was man zunächst wissen sollte: "Palästina" ist keine Eigenbezeichnung, sondern eine von den Römern gewählte Bezeichnung für das Land, das Judäa hieß, bevor die Juden von dort vertrieben wurden. Menschen, die heute überwiegend als Palästinenser bezeichnet werden (in der Vergangenheit wurde der Begriff anders verwendet), sind nicht mit den namensgebenden Filistern verwandt, sondern sind Nachkommen der Araber, die im Zuge der arabisch-islamischen Expansion im 7. Jahrhundert in das Land kamen. Juden haben hier hingegen durchgehend gelebt, trotz der Vertreibung durch die Römer im 2. Jahrhundert. Tja, die schöne einfache Geschichte von der israelischen Landbesetzung ist in Wirklichkeit ganz schön kompliziert, und ich habe das Thema nicht einmal angerissen.

Nachträgliche Klarstellung: Ich halte wenig von dem "wer hat die älteren Rechte an dem Land" Spielchen und erwähne das hier nur, um zu demonstrieren, wie eine angeblich eindeutige Facette des Konflikts es in Wirklichkeit überhaupt nicht ist. Grundsätzlich lässt sich "Welche Seite hat Recht und welche hat Unrecht?" in diesem Konflikt immer mit "beide, aber ..." beantworten. Das Thema ist wirklich sehr komplex.

Tatsächlich müsste es heißen: *einige* Strömungen des Zionismus strebten die Errichtung eines jüdischen Nationalstaats in Palästina an. Gerade der politische (nicht-religiöse) Zionismus strebte oft einfach nur die Gründung eines jüdischen Nationalstaates an, egal wo. Wer mehr dazu wissen möchte, kann "britisches Uganda-Programm" nachschlagen.

Immerhin benutzt Wikipedia hier korrekt die Vergangenheitsform. Denn Zionismus ist mir früher nur im geschichtlichen Kontext begegnet. Mit der Gründung des Staates Israel hat diese Bewegung ihr Ziel erreicht und hat kaum noch Bedeutung. Man findet ihre Ausläufer allenfalls im israelischen Rückkehrgesetz, das allen Juden die Einwanderung nach Israel erlaubt - denn Israel wurde als sicherer Hafen für alle Juden gegründet, weil es andere Länder nicht sein konnten/wollten.

Dass Anti-Zionismus als linker Kampfbegriff gewählt und eine Ideologie zum Feind erklärt wurde, die so meines Wissens nach nicht einmal existiert, sagt viel aus. Normalerweise würde man nämlich israelischen Nationalismus und die Politik der israelischen Regierung kritisieren, wofür ja aus linker Sicht nun wirklich reichlich Anlass besteht. Dass man das nicht tut, zeigt mir, dass der Staat Israel als grundsätzlich illegitim dargestellt werden soll. Das ist eine aus geschichtlicher Sicht nicht haltbare Position, und ich sehe nur einen Grund, um diese zu vertreten: Antisemitismus.

Ich sage "meines Wissens nach", weil (und das muss man anscheinend betonen) der Zionismus alles andere als einheitlich war/ist. Wahrscheinlich gibt es Leute, die aus zionistischer Motivation heraus die Wiederherstellung Israels innerhalb der Grenzen aus den Zeiten von König David anstreben. Genauso gibt es sicherlich Leute, die gerne eine Wiedererrichtung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation sehen würden. In beiden Fällen sind solche Leute meist keiner Erwähnung wert.

#Antisemitismus #Zionismus